Der BIOPARC Fuengirola erlebt einen ganz besonderen Moment im Herzen seines Regenwaldes. Reina, das weibliche Zweifingerfaultier (Choloepus didactylus), ist schwanger und befindet sich nun in der Endphase ihrer Schwangerschaft – eine Nachricht von enormer emotionaler und wissenschaftlicher Bedeutung, die das Engagement des Parks für Tierschutz und den Erhalt der biologischen Vielfalt unterstreicht.
Die Trächtigkeit wird gemäß den Standardrichtlinien für Tierhaltung und Tierschutz überwacht, einschließlich freiwilliger und risikofreier tierärztlicher Untersuchungen. Dazu gehören Ultraschalluntersuchungen, die im Rahmen ihrer täglichen Routine durchgeführt werden und durch ein fortgeschrittenes tierärztliches Ausbildungsprogramm der Zoologie- und Veterinärteams des BIOPARC Fuengirola ermöglicht werden.
Dank eines schrittweisen Prozesses der Desensibilisierung und Gewöhnung ist es den Betreuern gelungen, Reina dazu zu bringen, die Anwesenheit des Tierarztteams und den für die Bauchuntersuchung notwendigen Kontakt auf natürliche Weise zu akzeptieren. Um dies zu erreichen, wurden die tatsächlichen Bedingungen des Eingriffs im Vorfeld mithilfe von Instrumenten, die einer Ultraschallsonde ähneln, kontrolliertem Druck und der Anwendung von Gelen simuliert – stets ohne geschützten Kontakt und unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Diese Methode ermöglicht die regelmäßige Überwachung der fetalen Entwicklung, der Herzfrequenz und des Allgemeinzustands der Mutter, ohne ihr Verhalten zu beeinflussen.
Der Verdacht auf eine Schwangerschaft entstand nach der detaillierten Aufzeichnung der Kopulationen und der anschließenden Beobachtung einer leichten Aufblähung des Bauches in den letzten Monaten, die für Laien kaum wahrnehmbar war. Diese Diskretion ist kein Zufall: Sie ist eine evolutionäre Anpassung, die es Faultieren ermöglicht, von Raubtieren wie großen Greifvögeln, Katzen oder Würgeschlangen unbemerkt zu bleiben. Tierärztliche Untersuchungen bestätigen, dass sich der Fötus normal und gut entwickelt, während Reina ein völlig stabiles Verhalten, eine gleichbleibende Ernährung und einen unveränderten Tagesablauf beibehält.
Die Tragezeit dieser Art ist besonders lang und wird auf durchschnittlich 330 bis 350 Tage geschätzt, wobei in der wissenschaftlichen Literatur jedoch erhebliche Abweichungen beschrieben werden. Aktuell befindet sich Reina im letzten Trimester ihrer Trächtigkeit, einer entscheidenden Phase, die kontinuierlich überwacht und individuell auf ihre Bedürfnisse abgestimmt wird.
Ein einzigartiges, langsames und faszinierendes Tier
Faultiere gehören zweifellos zu den außergewöhnlichsten Säugetieren unseres Planeten. Ihr unverwechselbares Aussehen mit dem schlanken, dicht behaarten Körper verbirgt eine überraschende Anpassung an das Leben in den Baumkronen. Obwohl ihre Muskelmasse nur etwa 25 % ihres Körpergewichts ausmacht, sind diese Tiere extrem kräftig und besitzen ein Greifsystem, das es ihnen ermöglicht, stundenlang in den Baumkronen der südamerikanischen Regenwälder zu hängen.
Ihr Stoffwechsel gehört zu den langsamsten unter den Säugetieren, was zu langsamen, lautlosen und bedächtigen Bewegungen sowie zu ungewöhnlichen Verhaltensweisen führt, wie beispielsweise dem Koten auf dem Boden nur alle drei bis sieben Tage. Diese Langsamkeit ist keineswegs ein Nachteil, sondern ihr wichtigster Verteidigungsmechanismus: unbemerkt zu bleiben.
Zu den überraschendsten Besonderheiten zählt das regelrechte „Ökosystem“ in seinem Fell. Algen, Pilze und Mikroorganismen leben dort in einer komplexen Symbiose zusammen, die sogar Motten einschließt. Die Algen dienen nicht nur der Tarnung, sondern werden vom Faultier auch bei der Fellpflege aufgenommen und liefern ihm so wichtige Nährstoffe. Ein faszinierendes Beispiel für die komplexen Beziehungen zwischen verschiedenen Arten in der Natur.
Naturschutz und wissenschaftliche Erkenntnisse
Obwohl das Zweifingerfaultier von der IUCN als „nicht gefährdet“ eingestuft wird, sind seine Wildpopulationen zunehmenden Bedrohungen ausgesetzt, darunter Lebensraumzerstörung und -fragmentierung, Jagd zum Verzehr, illegaler Handel und Verfolgung als vermeintlicher „Schädling“. In diesem Zusammenhang liefert die Überwachung der Fortpflanzung in kontrollierten Umgebungen wichtige Erkenntnisse für den Schutz, die Rehabilitation und die Erhaltung bedrohter verwandter Arten.
BIOPARC Fuengirola
Der BIOPARC Fuengirola ist international führend in den Bereichen Naturschutz, Tierschutz und Umweltbildung. Durch die naturgetreue Nachbildung von Ökosystemen, Forschungsprogramme, Zuchtprogramme und Kampagnen zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit setzt sich der Park aktiv dafür ein, die am stärksten bedrohte Artenvielfalt unseres Planeten der Öffentlichkeit näherzubringen und das Engagement für ihren Schutz zu fördern. Reinas Schwangerschaft ist ein weiteres Beispiel dafür, wie Wissenschaft, Respekt und tägliche Fürsorge einen entscheidenden Unterschied für die Artenvielfalt und ihre Zukunft bewirken können.